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Tüfteln für eine bessere Welt Artikel im Fränkischen Tag / www.infranken.de, September 2016

Reparieren statt wegwerfen Artikel „Fränkischer Tag“ vom 18. März 2016

Vor der offiziellen Eröffnung besuchte Dekan Hans-Martin Lechner (links) mit Initiator Bernd Bauer-Banzhaf (rechts) den „Männerschuppen“, in dem Elektromeister Otto Schmitt schon werkelt.
Foto: Marion Krüger-Hundrup

Eröffnung: Heute startet mit dem „Männerschuppen“ auf dem ehemaligen Schaeffler-Betriebsgelände ein neuartiges Projekt des Diakonievereins Bamberg für reifere Herren. Auch Frauen sollen künftig von dem Wissen der Profis und Hobbytüftler profitieren.

Von Marion Krüger-Hundrup

 

Bamberg - Mit diesem Pfund lässt sich schon einmal prima wuchern: Otto Schmitt, seines Zeichens erfahrener Elektromeister, steht für Bambergs grüne Zukunft in den Startlöchern. „Ich repariere lieber statt wegzuwerfen“, erklärt der Handwerker nachdrücklich und murmelt etwas von verbreiteter „Wegwerfmentalität in unserer Gesellschaft“ und „falschem Konsumverhalten“. Umso mehr freut es den vitalen 80-Jährigen, dass er sein Fachwissen nun im „Männerschuppen“ einsetzen kann und zugleich eine erfüllende Freizeitbeschäftigung bekommt.

„Seniorenarbeit speziell für Männer“ bringt Bernd Bauer-Banzhaf seine Idee „Männerschuppen“ auf den Punkt. Mit Herzblut hat der Vorsitzende des Diakonievereins Bamberg den Plan umgesetzt, für ältere Männer eine soziale Werkstatt zu schaffen, in der sie sich treffen und handwerkeln können. Denn die traditionellen Angebote für Senioren seien eher auf Frauen zugeschnitten: „In Bamberg hat bisher etwas Eigenes für Männer gefehlt“, so Bauer-Banzhaf.

Der evangelische Christ betont nachdrücklich, dass der „Männerschuppen“ ein „typisch diakonisches Angebot“ ist, das mit Religionszugehörigkeit nichts zu tun habe. Katholiken, Muslime, Juden, Konfessionslose seien genauso willkommen wie Frauen, „die bei uns Schweißen, Hämmern, Schrauben lernen wollen“. Denn im „Männerschuppen“ sollen Dinge, die sonst auf dem Müll landen würden, wieder funktionstüchtig gemacht werden. „Oft lohnt sich wegen der Arbeitskosten der Aufwand nicht, kaputte Sachen zu reparieren, weil es billiger ist, etwas Neues zu kaufen“, weiß Bauer-Banzhaf. Die Profis und Hobbytüftler im „Männerschuppen“ würden dagegen ehrenamtlich reparieren und nur „kleines Geld“ für Ersatzteile nehmen.

Möglichen Kritikern aus etablierten Handwerkerkreisen hält der Projektmacher Bauer-Banzhaf entgegen, dass der „Männerschuppen nichts Kommerzielles macht und keine Konkurrenz ist“. Dessen Arbeit sei Nachbarschaftshilfe: „Dafür gibt es keine Gewährleistung oder Garantie“, betont Bauer-Banzhaf. Für seinen „Chef“, den evangelisch-lutherischen Dekan Hans-Martin Lechner, erfüllt der „Männerschuppen“ auch ohne Netz und doppelten Boden eine wertvolle Aufgabe: „Dies ist ein Ort der Nachhaltigkeit und schafft Bewusstsein“, erklärt er bei einem Besuch des Schuppens kurz vor der offiziellen Eröffnung.

Auf dem vormaligen Betriebsgelände der Firma Schaeffler, auf dem ein neues Wohnquartier entstanden ist, hatte der Bauträger „Denkmal Neu“ dem Diakonieverein Räumlichkeiten für den „Männerschuppen“ überlassen. Freiwillige Helfer des Vereins sanierten die etwa 180 Quadratmeter, installierten Strom, Wasser, Lüftung, Sanitär, sorgten für die Einrichtung und das Werkzeug samt Werkbänke. Nur der Heizungsbau wurde Fachhandwerkern überlassen. Spender und Sponsoren brachten die notwendigen Euros auf: „Wir hoffen auch weiterhin auf Spenden“, bekennt Bernd Bauer-Banzhaf freimütig, zumal die monatlichen Hauskosten von fast 600 Euro zu Buche schlagen.

So verschließt sich der Diakonieverein auch nicht Kooperationspartnern wie dem Evangelischen Bildungswerk oder anderen Vereinen, die im „Männerschuppen“ Reparaturkurse für Frauen, Jugendliche oder Flüchtlinge anbieten wollen. „Wir sind für weitere Spezialisten offen, etwa für solche, die gebrauchte Computer und Smartphones herrichten können“, wirbt Bauer-Banzhaf um Fachpersonal. Bislang steht ein gutes Dutzend Handwerker zwischen 60 bis 90 Jahren bereit.

Diese älteren Herrschaften werden sich heute um 17 Uhr im „Männerschuppen“ unter der Adresse Alte Seilerei 20 (gegenüber Schlachthof) einfinden, wenn Dekan Lechner ihrem neuen Treffpunkt den kirchlichen Segen erteilt und Bürgermeister Wolfgang Metzner die Glückwünsche der Stadt Bamberg überbringt. „Jeder Interessierte ist willkommen!“ erweitert Bauer-Banzhaf die Einladung.

 

 

Interview mit dem BR

Interview mit dem Bestes Alter Journal

Bestes Alter Journal
Herr Bauer-Banzhaf, sie sind Vorsitzender des Diakonievereins in Bamberg und werden demnächst einen „Männerschuppen“ eröffnen. Was ist das denn?

Bernd Bauer-Banzhaf
Es geht um Seniorenarbeit, speziell für ältere Männer, ohne konfessionelle Ausrichtung. Diese Männer fühlen sich von traditioneller Seniorenarbeit wenig angesprochen. Der Männerschuppen ist also eine soziale Werkstatt, in der sich Männer treffen, um dort zu handwerkeln und kaputte Dinge zu reparieren. Andere Menschen aus Bamberg und Umgebung kommen dort hin, lassen ihre kaputten Dinge in Stand setzen und lernen – falls gewünscht -, wie das Reparieren geht.

Bestes Alter Journal
Aha, also ältere Männer erhalten einen Treffpunkt und kommen dort miteinander ins Gespräch?

Bernd Bauer-Banzhaf
Genau. Es gibt noch viel zu wenig Seniorenarbeit, die speziell auf Männer zugeschnitten ist. Nachdem es in den Kriegsgenerationen einen starken Witwen-Überhang gab, ist dies nun fast ausgeglichen. Die traditionellen Angebote für Senioren sind allerdings eher auf Frauen zugeschnitten. Ich fasse das gerne in einem Satz zusammen: „Männer kommunizieren nicht Aug in Aug, sondern Schulter an Schulter“, also beim Arbeiten, so eher beiläufig.

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